Toxische Personen im Business erkennen und handhaben
Toxische Persönlichkeiten am Arbeitsplatz können das berufliche Umfeld erheblich belasten und die eigene Kompetenz infrage stellen. Besonders schwierig wird die Situation, wenn eine charismatische und wortgewandte Person gezielt an der eigenen Glaubwürdigkeit arbeitet und die Zusammenarbeit erschwert. Für Führungskräfte kann dies nicht nur zu Verunsicherung führen, sondern auch dazu, dass das Vertrauen ins eigene Urteilsvermögen schwindet. Selbstzweifel bis hin zu weitgehendem Verlust der Arbeitsmotivation und Selbstwirksamkeit können die Folge sein. Dieser Blog beleuchtet Ansätze aus meiner Coaching-Praxis, welche Dynamiken Toxische Personen im Führungsalltag häufig zeigen und mit welchen Ansätzen man die Kontrolle über die eigene Situation wieder zurück gewinnen kann.
Wie man toxische Personen erkennt
Es kann schwierig sein, toxisches Verhalten sofort zu erkennen, da es oft subtil beginnt. Es gibt jedoch einige charakteristische Verhaltensweisen, auf die man achten sollte:
Manipulation: Sie nutzen Falschaussagen, Charme oder Intrigen, um ihre Ziele zu erreichen – oft auf Kosten anderer.
Kontrollierendes Verhalten: Sie versuchen, die Kontrolle über andere Menschen und Situationen zu erlangen und manipulieren diese entsprechend.
Narzissmus: Sie haben ein starkes Bedürfnis nach Bewunderung und Anerkennung, sind jedoch gleichzeitig nicht empathisch und kümmern sich wenig um die Bedürfnisse anderer.
Schuldzuweisungen: Sie weigern sich, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen und Fehler einzusehen sondern geben stattdessen anderen die Schuld.
Gezieltes Ausspielen von Menschen gegeneinander: Sie schüren Konflikte und Spannungen zwischen anderen, um ihre eigene Position zu stärken.
Fehlender Respekt: Sie greifen Kollegen oder Vorgesetzte persönlich an, eskalieren Themen unnötig und verwenden oft abwertende Sprache, versteckt hinter eloquenten Formulierungen.
Verweigerung der Zusammenarbeit: Sie arbeiten nur selektiv mit bestimmten Personen und boykottieren andere.
Fehlende Kritikfähigkeit: Kritik wird oft als persönlicher Angriff empfunden, woraufhin schnell mit Eskalation reagiert wird.
Fallbeispiel
Ein Vertriebsleiter aus der chemischen Industrie und Client aus meiner Coaching-Praxis berichtete von genau einer solchen Herausforderung. Er beschrieb eine Kollegin, die in Meetings stets mit hoher Eloquenz und Charisma auftrat. Anfangs beeindruckte sie das gesamte Team, doch mit der Zeit fiel auf, dass sie subtile Spitzen in seine Richtung platzierte und seine Beiträge kleinredete. Gemeinsam getroffene Absprachen wurden nicht eingehalten sondern von ihr später als einseitige Vorschläge abgewertet. Dann kam es zu Schuldzuweisungen vor dem gemeinsamen Vorstand. Andere Führungskräfte begannen, seine Ideen weniger ernst zu nehmen, und er zog sich mehr und mehr zurück, zweifelnd an seinen eigenen Fähigkeiten. Gemeinsam haben wir im Coaching herausgearbeitet, wie er diese Dynamik besser versteht und proaktiv darauf reagieren kann. Durch gezielte Kommunikation, klare Abgrenzung und die Fokussierung auf seine eigenen Stärken schaffte er es, seine Position im Team wieder zu festigen und sich nicht länger von der toxischen Wirkung der Kollegin beeinflussen zu lassen.
Welche Arten von toxischen Persönlichkeiten es gibt
Toxische Menschen lassen sich grob in folgende Typen einteilen:
Die Kontrollierende: Muss ständig alles und jeden überwachen. Micromanagement nimmt viel Zeit in Anspruch und demotiviert.
Der Gaslighter: Verdreht Wahrheiten, um Machtverhältnisse zu seinem Vorteil zu manipulieren. Beispiel: „Das habe ich dir doch schon gesagt“ – auch wenn es nie ein Gespräch über das Thema gab.
Die Kronprinzessin: Möchte unbedingt gut dastehen und ergreift jede Gelegenheit, um andere schlecht zu machen oder sich selbst zu profilieren.
Der Bulldozer: Setzt seine eigene Agenda bedingungslos durch, schreckt vor offenen und verdecken Drohungen nicht zurück und zeigt keinen Respekt vor Kollegen.
„Der toxische Kollege ist oft charismatisch, aber eine tickende Zeitbombe auf zwischenmenschlicher Ebene.“
(Robert Hare, Psychologe der University of Columbia)
Strategien im Umgang mit toxischen Personen
Die Frage nach dem Umgang mit toxischen Personen beschäftigt einige meiner Clientinnen und Clienten. Nicht jede Strategie wirkt gleichermaßen und in jeder Konstellation, aber hier ist eine Liste von Punkten, die sich in meiner Praxis als wirksam erweisen konnten:
Grundsätzlich (quasi als Punkt "0") empfehle ich Ihnen: Bleiben Sie ruhig, sachlich und geben Sie nicht nach. Erinnern Sie sich stets daran, dass toxisches Verhalten mehr über die andere Person aussagt als über Sie.
1. Grenzen setzen
Das Setzen von klaren Grenzen ist essenziell, um sich vor dem negativen Einfluss toxischer Personen zu schützen und die eigene mentale Gesundheit zu bewahren. Dabei ist es wichtig, sowohl verbal als auch nonverbal deutlich und standhaft aufzutreten.
Klare Kommunikation: Formulieren Sie Ihre Bedürfnisse deutlich, zum Beispiel mit Aussagen wie „Ich stehe Ihnen in dieser Angelegenheit gerne zur Verfügung, aber bitte halten wir uns an sachliche Gespräche.“ oder „Ich bitte darum, meinen Arbeitsstil und meine Prioritäten zu respektieren.“
Zeitmanagement: Lassen Sie nicht zu, dass toxische Personen ständig Ihre Zeit beanspruchen. Beschränken Sie beispielsweise Gespräche auf festgelegte Zeitfenster oder schriftliche Kommunikation per E-Mail, um den direkten Kontakt zu minimieren.
Konsequenzen aufzeigen: Falls Ihre Grenzen dennoch ignoriert werden, sollten Sie ruhig, aber bestimmt auf die Konsequenzen hinweisen. Ein Beispiel könnte sein: „Sollte das Verhalten so weitergehen, werde ich das Gespräch beenden. Wir können es später fortsetzen wenn ich sehe, dass Sie meine Grenzen respektieren.“
Physische oder emotionale Distanz wahren: Wenn möglich, vermeiden Sie unnötige persönliche Treffen. Stattdessen können Sie Alternativen vorschlagen, etwa digitale Meetings oder E-Mail-Kontakt, um direkte Konfrontationen zu entschärfen.
Das Wichtigste ist, konsequent zu bleiben und sich nicht von Manipulationsversuchen oder Schuldzuweisungen verunsichern zu lassen. Indem Sie klare Grenzen setzen und sie einhalten, schaffen Sie Raum für ein gesünderes und respektvolleres Umfeld.
2. Emotionale Distanz wahren
Die sogenannte „Grauer-Fels-Technik“ hilft, dass die Person den Fokus auf Sie verliert.
Die „Grauer-Fels-Technik“ basiert darauf, möglichst neutral und emotionslos zu reagieren, um keine Angriffsfläche zu bieten. Wenn Sie mit manipulativen oder dominanten Personen zu tun haben, kann es hilfreich sein, sich wie ein „grauer Fels“ ruhig, unbeeindruckt und uninteressant zu verhalten. Dies bedeutet, dass Sie weder auf Provokationen eingehen noch emotionale Reaktionen zeigen. Ziel ist es, der anderen Person den Reiz zu nehmen, weiterhin Macht oder Kontrolle über Sie auszuüben.
Beispiele für die Anwendung der Technik:
Neutral bleiben: Antworten Sie auf aggressive Bemerkungen mit sachlichen, kurzen Sätzen. Beispiel: Auf die Bemerkung „Du bist wirklich unfähig, irgendetwas richtig zu machen!“ könnten Sie ruhig entgegnen „Das ist Ihre Meinung.“
Keine Emotionen zeigen: Wenn die Person versucht, Sie zu provozieren oder zu verunsichern, wahren Sie einen neutralen Gesichtsausdruck und vermeiden Sie es, in den Streit einzusteigen.
Keine “Nebenkriegsschauplätze” zulassen: Falls die Person versucht, die Diskussion auf weitere Bereiche auszuweiten, bleiben Sie höflich beim Thema. Beispiel: Bei einer Diskussion könnten Sie sagen „Das ist nicht unser heutiger Punkt, lassen Sie uns beim Thema bleiben.“
Die Schlüsselidee ist, der Person keine emotionale Reaktion anzubieten, an der sie sich "festhalten" kann. Mit der Zeit wird das Verhalten für die andere Person weniger interessant und zumeist einstellen, sodass Sie wieder mehr Kontrolle über Ihre Interaktionen gewinnen.
3. Gemeinsame Ergebnisse festlegen
Um Konfliktsituationen zu strukturieren und Manipulationen vorzubeugen, sollten klare Ergebnisse angestrebt werden. Führen Sie gezielte, geplante Gespräche, die nicht aus dem Moment heraus entstehen, sondern auf sachlicher Ebene darauf abzielen, Lösungen zu finden. Notieren Sie die besprochenen Punkte und dokumentieren Sie alle getroffenen Vereinbarungen schriftlich - idealerweise bereits für alle sichtbar im Gespräch. Diese Transparenz schafft Verbindlichkeit und sorgt dafür, dass beide Seiten Verantwortung übernehmen. Zudem hilft es bei späteren Diskussionen oder Unstimmigkeiten, auf die schriftlichen Vereinbarungen zurückzugreifen, um Klarheit zu schaffen. Priorisieren Sie eine respektvolle und lösungsorientierte Atmosphäre, um gemeinsame Ziele zu erreichen.
4. Themen des Anderen nicht zum eigenen Problem machen lassen
Es ist wichtig, klar zwischen den eigenen Aufgaben und den Themen anderer Personen zu unterscheiden. Häufig können wir uns in die Probleme oder Herausforderungen anderer hineinversetzen, was dazu führen kann, dass wir uns emotional oder praktisch stärker involvieren, als es notwendig oder hilfreich ist. Dies kann das toxische Verhalten direkt unterstützen, denn nun kann es der Person gelingen, das Problem erfolgreich auf Sie zu übertragen. Unterstützen Sie stattdessen durch Zuhören und gezielte Fragen, ohne die Verantwortung für die Lösung der Situation zu übernehmen. Dadurch fördern Sie eine gesunde Abgrenzung, die beiden Seiten zugutekommt.
5. Langfristige Strategien entwickeln
Um Konflikte nachhaltig zu lösen und zukünftige Spannungen zu minimieren, ist es entscheidend, langfristige Strategien zu entwickeln. Identifizieren Sie systematische Ursachen für das toxische Verhalten, wie strukturelle Herausforderungen, unklare Verantwortlichkeiten oder problematische Kommunikationsmuster innerhalb des Teams. Arbeiten Sie gemeinsam mit allen Beteiligten an Lösungen, die das Arbeitsklima verbessern und die Zusammenarbeit erleichtern.
6. Kooperationen aufbauen
Häufig gelten die Angriffsvektoren der toxischen Person nicht nur ihnen, sondern auch anderen Kollegen im Führungsteam. Möglicherweise können Sie bestehende, verlässliche Vertrauensverhältnisse nutzen, um gemeinsamen Schulterschluss mit anderen Kollegen herzustellen.
7. Hilfe suchen
Es ist wichtig, klare Grenzen zu setzen, wenn toxisches Verhalten auftritt. Dokumentieren Sie problematische Vorfälle sachlich und informieren Sie die zuständigen Stellen, wie die Personalabteilung oder die Teamleitung, falls keine Verbesserung erfolgt. Eine konsequente Durchsetzung von Regeln signalisiert, dass respektloses Verhalten nicht toleriert wird. Denken Sie daran, dass Ihre eigene psychische Gesundheit Priorität hat – zögern Sie nicht, Hilfe zu suchen, wenn Sie sich überfordert fühlen.
Fazit
Mit diesen Strategien können Sie sich eine erste Grundlage schaffen, um toxischen Verhaltensweisen im Arbeitsumfeld entgegenzuwirken. Es erfordert Geduld, Konsequenz, Kooperation mit anderen Betroffenen und oft auch Unterstützung von außen, um Veränderungen herbeizuführen. Doch mit kontinuierlichem Einsatz und klaren Strukturen ist es möglich, ein gesünderes und produktiveres Arbeitsklima zu etablieren.
Wie man toxische Personen „für sich arbeiten“ lässt
Interessanterweise können toxische Individuen – wenn ihre Eigenschaften gut kanalisiert werden – auch Vorteile für das Unternehmen bringen. Personen, die beispielsweise zwanghaft kontrollieren, können hervorragend in Detailarbeit oder Qualitätssicherung eingebunden werden. Hierbei ist jedoch konstante Überwachung durch Führungspersonen unerlässlich.
Wichtig: Das Delegieren klar abgegrenzter Aufgaben kann verhindern, dass negative Dynamiken auf das restliche Team übergreifen.
Schutz vor toxischem Einfluss – langfristig denken
Um sich langfristig zu schützen, sollten Betriebe präventive Maßnahmen ergreifen, wie Thomas Saller in seinen Studien betont:
Gezielte Auswahlprozesse: Frühzeitiges Erkennen toxischer Muster in Bewerbungsgesprächen (z.B. übermäßige Selbstdarstellung, Konfliktschilderungen) kann helfen, diese Personen von Anfang an auszufiltern.
Klare Unternehmenskultur: Eine Kultur der Offenheit, gegenseitigen Wertschätzung und regelmäßigen Feedbacks reduziert das Risiko toxischen Verhaltens.
Training und Monitoring: Workshops zur Förderung gesunder Kommunikation und regelmäßige Umfragen im Team können toxischen Dynamiken frühzeitig entgegenwirken.
Perspektive statt Konflikt
Toxische Persönlichkeiten im Business zu ignorieren, ist keine Option. Sie können eine Organisation massiv belasten und sollten aktiv gemanagt werden. Mit den richtigen Strategien lässt sich ihr Einfluss minimieren oder, im besten Fall, positiv nutzen. Gleichzeitig eröffnet der bewusste Umgang mit diesen Herausforderungen eine Chance, die eigene Teamführung und Unternehmenskultur zu stärken.
Hallo, ich bin Erich Hartmann, langjähriger Top-Management-Berater und erfahrene internationale Führungskraft. Als zertifizierter Business Coach unterstütze ich ausgewählte Menschen, die in hoher Verantwortung stehen dabei, Ihre Leistungsfähigkeit zu stärken und insgesant zu mehr Zufriedenheit zu finden.
Wenn Sie für sich einen Weg suchen, mit toxischen Dynamiken in Ihrem Umfeld umzugehen, können wir gerne sprechen